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Veröffentlicht 1. März 2022

IP-basierte Infrastruktur von Qvest führt Nachrichtensender der Axel Springer SE in die Zukunft

Im Zeitalter allgegenwärtig verfügbarer Informationen wachsen die Anforderungen an professionelle Berichterstattung: Journalisten müssen komplexe Situationen und schwierige Zusammenhänge unter immer höherem Zeitdruck einordnen und verständlich vermitteln. Um dies zu gewährleisten, hat die Axel Springer SE ein komplett neues Medienzentrum mit modernster Technik errichtet – mit zwei Nachrichtenstudios für WELT, die ihrer Zeit weit voraus sind: Technik und Anmutung wurden darauf ausgelegt, schnell auf unterschiedlichste Situationen wie Breaking News reagieren zu können. Qvest hat eine zukunftssichere, flexible IP-Infrastruktur für den Sendebetrieb geplant und realisiert. Skalierbar designt und offen für umfangreiche Erweiterungen, markiert sie ein neues Level im Broadcasting.

Der Auftrag: Zukunftsfähige Produktionsumgebung

Die Axel Springer SE ist eines der führenden Verlags- und Medienhäuser in Europa. Das Unternehmen besaß bereits starke Print- und Digitalmarken wie „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ und „Welt Online“, als 2014 der Nachrichtensender N24 durch Übernahme hinzukam. Seit 2018 wird das crossmediale News-Angebot unter der Marke WELT gebündelt. Das Medienhaus entschied, die Redaktionen für Digital, Print und Fernsehen auch physisch unter einem Dach zu vereinen: WELT sollte 2021 in den imposanten Axel-Springer-Neubau in Berlin umziehen und dort so schnell agieren können wie im Online-Bereich die ebenfalls zu Axel Springer SE gehörende BILD. Dafür musste am neuen Standort zunächst eine zukunftsfähige Medieninfrastruktur geschaffen werden – mit dem Fokus auf gemeinsamer Nutzung: Eine zentral vernetzte IP-basierte Infrastruktur macht möglich, Studios von den drei angegliederten Regien frei zuzuordnen und zu bedienen. Für Planung, Entwicklung und Umsetzung der gesamten Infrastruktur und Broadcasting-Technik wurde Qvest beauftragt. Qvest hat das Projekt als Generalunternehmer von der Designphase bis zur Fertigstellung begleitet und verantwortet.

Das Ziel: Nahtloser Live-Workflow

Spektakuläre, avantgardistische Architektur. Offene, multifunktionale Räume für eine flexible Nutzung. Zehn terrassenförmig angelegte Stockwerke, die über 13 Brücken verbunden sind – das ist der von Rem Koolhaas entworfene Axel-Springer-Neubau in Berlin. Unter einem Dach arbeiten mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Axel Springer SE auf 52.000 Quadratmetern daran, analoge Geschäftsmodelle ins Digitale zu übersetzen. Voraussetzung hierfür: eine zukunftsweisende Systemlandschaft, die Tech-Lösungen für Live-Bewegtbild, automatisierte Studios, Regie, Redaktion, News-Produktion und -Distribution vernetzt und einen nahtlosen Workflow sicherstellt.

Der Anspruch: Maximale Flexibilität

Eine der zentralen Fragen lautete: Welche Systemarchitektur soll im Axel-Springer-Campus genutzt werden? Als die Planungen für den Umzug vom Hochhaus in den direkt gegenüberliegenden Neubau begannen, war die Transformation von SDI zu IP-Technik zwar bereits absehbar, technisch aber noch nicht komplett ausgereift. Als mögliche Plattformen standen daher zunächst auch eine SDI oder proprietäre IP-Lösung im Raum. Nach intensiver Analyse und Planung fiel die Entscheidung für eine auf COTS (Commercial off-the-shelf) basierende IP-Lösung – und damit auf den SMPTE-Standard ST 2110. Eine echte Herausforderung für den Publisher, verändert dieser Paradigmenwechsel doch die Produktion, Bereitstellung und Vermarktung von Inhalten fundamental: Sehr viele Systeme und Arbeitsabläufe müssen umgestellt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden. Aus Sicht von Norman Tettenborn, Principal und Projektverantwortlicher bei Qvest, überwiegen jedoch die Vorteile: „Die Videoinfrastruktur über Netzwerk abzubilden erweist sich als extrem flexibel. Die Entscheidung für SMPTE ST 2110 in diesem Zusammenhang war die einzig richtige. Die Technologie ist inzwischen ausgereift und erlaubt große komplexe Installationen wie in diesem Fall. Die aktuelle Erweiterung für BILD Live unterstreicht die Möglichkeiten der Skalierung und bestätigt die damals getroffene Entscheidung für diese Technologie.“

Der Ansatz: Wechsel von SDI zur IP-Technologie

Von Anfang an haben die Projektverantwortlichen bei Qvest berücksichtigt, dass die im Axel-Springer-Neubau und -Hochhaus verbauten relevanten Systeme und viele Komponenten über IP-Netzwerke laufen. Gemeinsam bilden sie ein einziges großes Netzwerk, das Qvest konzipiert und realisiert hat. Insgesamt wurden rund 200 Kilometer Kabel verarbeitet – allein 90 % davon für die notwendigen Netzwerkverbindungen wie 49 Kilometer LWL-Kabel und 133 Kilometer für CAT.

Die im Neubau geschaffene Umgebung – SMPTE-ST-2110-Netzwerk, das Broadcast IT-Netzwerk sowie das KVM-Netzwerk von Black Box – wurde um notwendige Produktionstechnik ergänzt. Studio-Playoutserver von Harmonic ermöglichen eine Signaldistribution in geforderten IP-Standard. Zentrale Steuerungsaufgaben werden über Nevion Orchestrator VideoiPath und den Lawo Broadcast-Controller VSM abgewickelt. Eine weitere Innovation: Gemeinsam mit WELT hat Qvest einen Mixerless Workflow erarbeitet, bei dem Bildsignale ohne den Einsatz eines Bildmischers zusammenkommen. Stattdessen wurden verschiedene Software-Lösungen von Vizrt integriert, die die Bildmischung automatisieren. Ebenfalls neu ist das Redaktionssystem. NRCS Octopus macht es möglich, journalistische Inhalte über alle Kanäle unmittelbar auf linearem Verbreitungsweg, Smartphone, Website, Social Media und per TV-App zur Verfügung zu stellen.

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Die Umsetzung: LED-Wände, Robotiken, Licht, Grafik, Video – hoch automatisiert

Von zentraler Bedeutung im Axel-Springer-Gebäude sind die neuen Nachrichtenstudios inklusive der kompletten notwendigen Arbeitsumgebung für redaktionelle Planung, Video- sowie Audio- und Videopostproduktion, Live-Studiobetrieb, Signaldistribution und -kontribution. Mit ihrem hohen Flexibilitäts- und Automatisierungsgrad zählen die Studios zu den modernsten in Europa. Seit 2021 entstehen hier alle Newssendungen von WELT, aber auch von ProSieben, SAT.1 und kabel eins. Die gesamte Technik ist auf kompakte Nachrichtenvermittlung ausgerichtet – schnell, informativ, anschaulich.

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Das gilt vor allem für Studio 1, ein 175 Quadratmeter großes Studio voller technischer Highlights und mit physischen Elementen im Raum – heute schon fast eine Besonderheit, da viele Studios auf rein virtuelle Visualisierungen setzen. Hintergründe, Farbstimmung und Licht lassen sich auf Knopfdruck exakt anpassen und verändern. Ein wichtiges Gestaltungselement hierfür sind die fahrbaren LED-Wände auf Basis von Aoto-Technik im Hintergrund. Sie bestehen aus neun Segmenten, die sich während des Live-Betriebs verfahren lassen. Sie können einzeln oder beliebig kombiniert angesteuert und bespielt werden und lassen sich auf Wunsch zu einer einzigen großen Fläche zusammenfügen. Die Panels lassen sich beispielsweise so ausrichten, dass sie den Blick auf den Redaktionsraum hinter der Moderatorin oder dem Moderator freigeben – das erhöht den Live-Charakter. Besonders beeindruckend: ein riesiges Cyclorama von 30 Metern Länge, das sich einmal komplett um das gesamte Studio zieht. Auf dem System von ETC-Europe lassen sich verschiedenste Themen visuell abbilden und die Atmosphäre im Studio immer wieder neu anpassen. Die Szenerie wird von vier Grass Valley Kameras erfasst, die sich mit Robotiken von Shotoku autark im Studio bewegen. Für dynamische Kamerafahrten, Totalen und Effektfahrten kommt eine fliegende Kamera hinzu. Um die jeweils gewünschte Lichtstimmung zu erzeugen, wird das Studio mit Scheinwerfern von ARRI ausgeleuchtet. Die gesamte Lichttechnik ist in die Broadcast-Automation integriert und wird über ein IP-basiertes Kontrollsystem gesteuert. Das macht die Lösung flexibler und ausfallsicherer als eine DMX-Steuerung. Studio 2 ist ein Hybridstudio, zusammengesetzt aus einem gebauten Set und einem Greenscreen als Hohlkehle. Im Realbereich entstehen Talk-Formate, vor dem Greenscreen entstehen die Formatnachrichten für ProSieben, SAT.1 und kabel eins.

Die Inbetriebnahme: Inmitten der Pandemie

Neben den enormen technischen Herausforderungen galt es nicht zuletzt auch, ganz praktische Probleme zu beherrschen. Denn die Arbeiten am Studio begannen inmitten der Pandemie. Das verlangte von vielen Beteiligten, bei diesem Projekt ganz neue Wege zu gehen. Einige Lieferanten konnten die Baustelle kein einziges Mal betreten. Abgesehen vom eigentlichen Studiobau, vom Einbau der technischen Komponenten und von der Verkabelung erfolgte die komplette Systeminstallation und -konfiguration remote. Das Projekt konnte trotz aller pandemiebedingten Schwierigkeiten mit dem Sendestart für alle Formate im April 2021 erfolgreich beendet werden.

Die Zukunft: State-of-the-Art-Ausstattung für viele Jahre

WELT hat mit dem erfolgreichen Wechsel zu IP eine über Jahre gewachsene, aber mittlerweile veraltete Broadcast-Technologie abgelöst. Entstanden ist eine der innovativsten Plattformen für einen Nachrichtensender: Netzwerk-Architektur, IP-basierte Verbindungen, Mixerless Workflow, IP-basiertes Licht, autarke Kamerafahrten, Bespielung der Studios in unterschiedliche Richtungen, fahrbare LED-Wände (auch im On) und das vollflächiges LED-Cyclorama im Hintergrund sind perfekt aufeinander abgestimmt. Norman Tettenborn: „Darüber hinaus sind die technischen Komponenten darauf ausgelegt, auch in Zukunft miteinander zu harmonieren – etwa nach möglichen Erweiterungen. Das gilt bereits für die Integration des neuen Studios von BILD Live. Hier soll ab 2022 produziert werden.“

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