Herausforderungen bei der Umstellung auf SMPTE ST 2110

Maxime Duquesne
Maxime Duquesne
Senior Solutions Architect
Tags
Broadcasting
Full-IP
Medien-Infrastruktur
SMPTE ST 2110
Wandel
Veröffentlicht 4. Februar 2022

Die Umstellung auf neue Standards fällt leichter mit dem Know-how der Experten

Die Broadcasting-Branche befand sich bereits inmitten eines tiefgreifenden Wandels, lange bevor die COVID-19-Pandemie weiteres Momentum erzeugte. Die Umstellung auf Cloud-basierte Workstreams, OTT-Mediendienste, All-IP-Infrastrukturen und die Videoproduktion in 4K sind nur einige Beispiele für die tiefgreifenden Veränderungen, die die Branche beeinflussen. Viele Kunden fordern mehr Flexibilität und Skalierbarkeit für ihre Produktions- und Playout-Infrastrukturen, die mit COTS-Geräten (Commercial off-the-shelf) ausgestattet sind, um bei HD-, UHD- oder sogar 8K-Videoinhalten formatunabhängig zu sein.

In diesem Zusammenhang ist der Wechsel von SDI zum SMPTE-Standard ST 2110 vielleicht die bedeutendste Veränderung seit Jahrzehnten. Er stellt eine grundlegende Umgestaltung der traditionellen Rundfunkstruktur dar und hat das Potenzial, die Art und Weise, wie Inhalte produziert, bereitgestellt und vermarktet werden, grundlegend zu verändern. Alle Sendeanstalten auf der ganzen Welt stehen vor der Herausforderung, Systeme, Technologien, Arbeitsabläufe und Personal auf IP umzustellen. Sie tun dies in unterschiedlichem Tempo, unter anderem abhängig von Budget, Geschäftsstrategie und bestehender Infrastruktur. Qvest gibt einen Überblick über den Status, die entscheidenden Herausforderungen und die nächsten Schritte bei der weltweiten Umstellung auf SMPTE ST 2110.

Wie steht es um die Normen?

Das Expertenteam von Qvest hat die Entwicklung der wichtigen Industriestandards SMPTE ST 2110 unmittelbar miterlebt. Das Unternehmen ist ein aktives und langjähriges Mitglied der SMPTE und ein enger Partner des AMWA-Verbandes, der die entsprechenden NMOS-Spezifikationen definiert hat. In Zusammenarbeit mit SMPTE und AMWA hat Qvest bei der Empfehlung von JT-NM TR1001 für die Systemumgebung und das Geräteverhalten für SMPTE ST 2110 beigetragen. Mit diesen Referenzen im Hinterkopf können wir sagen, dass die SMPTE-ST-2110-Standards solide sind und dass ihre umfassende Verwendung im Broadcast-Bereich durch die NMOS-Spezifikationen möglich gemacht wurde.

Die AMWA-Spezifikationen IS-04 (Discovery & Registration) und IS-05 (Device Connection Management) sind sehr stabil und bilden eine solide Grundlage für die Implementierung in die Geräte der heutigen Hersteller. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da diese Spezifikationen, die die Interoperabilität festschreiben, für den Abschluss der branchenweiten IP-Umstellung unerlässlich sind. Weitere Spezifikationen wie IS-06 (Network Control), IS-07 (Event & Tally) und IS-08 (Audio Channel Mapping) werden ebenfalls kontinuierlich überarbeitet und verbessert, um im Laufe der Zeit besser zu funktionieren. Nach dem heutigen Stand der Dinge kann NMOS als kleinster gemeinsamer Nenner für die Erkennung und Steuerung von Geräten angesehen werden, während die Verwendung einiger (nötigenfalls auch proprietärer) APIs und (IP-)Protokolle weiterhin erforderlich ist, um beispielsweise Alarme von Geräten zu erfassen oder speziellere Funktionen steuern zu können.

Was haben wir bisher gelernt?

Obwohl die Umsetzung der IS-04- und IS-05-Spezifikationen in Broadcast-Projekten von Jahr zu Jahr besser wird, ist die Gesamtsituation weit von einem einfachen „Plug & Play“ entfernt. Einige Broadcast-Ingenieure werden behaupten, dass die Implementierung von SMPTE ST 2110 nicht übermäßig komplex sei – was stimmen kann, wenn man mit einer kleinen Umgebung und einem IT-erfahrenen Systemintegrationsteam beginnt. Sobald es sich jedoch um größere Systeme handelt und spezifische Kunden-Workflows integriert werden müssen (z. B. Sicherheitsmaßnahmen), wird es komplizierter. Je größer und komplexer das Projekt ist, desto mehr Integration ist erforderlich, und es müssen umfangreiche Testläufe durchgeführt werden: es gibt kein „Einheitsverfahren“. Jedes Projekt hat unterschiedliche Netzwerk-Switches, SMPTE-ST-2110-Karten, Orchestrierungsschichten, Endgeräte – und jede Kombination führt effektiv zu einer anderen Integration.

Erfahren Sie mehr über SMPTE ST 2110:

Seit dem Jahr 2018 haben die Experten von Qvest bei der Entwicklung und Ausführung mehrerer mittlerer und großer SMPTE-ST-2110-Umgebungen weltweit mitgewirkt – jede mit einem individuellen Kundenkontext und technischen Ökosystem, und jede mit unterschiedlichen Problemen, die es zu lösen galt. Auf diese Weise hat das Qvest Team eine Fülle an Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt und kann Kunden dabei helfen, ihre SDI-zu-IP-Transformation zu beschleunigen: Sendeanstalten können ihre technischen und geschäftlichen Ziele termingerecht erreichen, während ihre Teams des Sendebetriebs mehr Wissen über die täglichen Arbeitsabläufe einer IP-basierten Medieninfrastruktur erlangen.

Welche weiteren Änderungen bringt SMPTE ST 2110 mit sich?

Solche Umstellungsprojekte sind zweifelsohne sehr technisch. Sie erfordern aber auch einige Änderungen der Arbeitsabläufe auf Kundenseite. Beispielsweise müssen die richtigen Benutzeroberflächen definiert werden, wenn es um die Zuordnung von Audioströmen (mehr als 16 Kanäle sind möglich) zu Video (mehrere Videoströme können verknüpft werden) in einem Paket geht. Zwar können die Betreiber weiterhin die vertrauten Broadcast-Controller-Schnittstellen und -Panels verwenden, doch kann die Umstellung auf SMPTE ST 2110 für die Wartungs- und Technikteams weitreichende Folgen haben. Darüber hinaus müssen strenge Cybersicherheitsmaßnahmen implementiert werden, um die Ausfallsicherheit von Altsystemen mit der Umstellung auf IP in Einklang zu bringen. Qvest kann bei der Erstellung von Schulungsprogrammen helfen, die weit über das individuelle Produktwissen hinausgehen, um diese Probleme anzugehen.

Was ist in Bezug auf virtualisierte Infrastrukturen möglich?

SMPTE ST 2110 wird auch ein Wegbereiter für die zukünftige Virtualisierung der Infrastruktur sein. Es gibt noch einige Herausforderungen zu bewältigen, aber sobald sie in größerem Umfang verfügbar sind, wird die Virtualisierung von SMPTE-ST-2110-softwarebasierten Produkten dazu beitragen, den Stromverbrauch der Broadcast-Infrastruktur zu optimieren. Software- und IT-basierte 24/7-Infrastrukturen sollten auf einer (kleineren) Plattform getestet werden, die mit denselben Produkten wie die eigentliche Produktionsplattform aufgebaut ist. Außerdem müssen Produkte und Konfigurationen rechtzeitig aktualisiert werden. Negative Auswirkungen einer Softwareaktualisierung sollten unbedingt vermieden werden, wenn ein System rund um die Uhr in der Produktion eingesetzt wird.

Außerdem müssen die Wartungsverfahren gut definiert und dokumentiert sein, unabhängig davon, ob es sich um die Aktualisierung einer Komponente oder des gesamten Systems handelt. Angesichts dieser Herausforderungen widmet Qvest der Übergangsphase vom Projektaufbau zur Wartungsphase stets besondere Aufmerksamkeit.

Was macht SMPTE-ST2110-Projekte mit Qvest erfolgreich?

Der Grundgedanke von Qvest ist es, die Teammitglieder des Kunden von Anfang an einzubeziehen, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter der Technik und des Supports ein umfassendes Verständnis der neuen Infrastruktur sowie der technischen Besonderheiten erhalten. Für das Qvest-Team ist diese intensive Einbindung eine wichtige Säule für den Erfolg des Projekts.

Ein weiterer Faktor ist, dass sich die Kunden auf die Erfahrung und Professionalität unserer Experten bei Qvest verlassen können. Wir haben über Jahrzehnte zahlreiche technologische Spitzenlösungen für Kunden realisiert – daraus resultiert eine herausragende Erfahrung in Beratung, Konzeption, Projektmanagement und Programmmanagement für große Medieninfrastrukturprojekte. Auch im Bereich der IP-Infrastruktur hat sich das Qvest Team eine besondere Expertise angeeignet. Dies spiegelt sich in herausragenden Projekten wie einer All-IP-Umgebung für Asharq News in den VAE, der Produktionsmigration bei laufendem Sendebetrieb bei Nine Networks in Australien und einer komplett neuen TV-Studioumgebung mit COTS, IP-Infrastruktur und mischerlosem Workflow bei der WELT in Berlin wieder.

Das Ergebnis: Mit uns haben Sie die Sicherheit, dass Sie bei der Auswahl, der Implementierung und dem organisatorischen Einsatz von Hightech-Lösungen für die Medien- und Broadcast-Branche weltweit auf fundiertes Know-how setzen können. Diese Qualitäten zahlen sich immer wieder aus, denn kein Projekt ist wie das andere. Je nach Größe und Umfang können SMPTE-ST-2110-Projekte wesentlich komplexer sein als solche mit dem etablierten SDI-Standard – aber die Vorteile für Kundinnen und Kunden, einschließlich der Möglichkeit, auf OPEX-Modelle umzusteigen und Workflow-Flexibilität in das Unternehmen zu integrieren, sind von bahnbrechendem Wert. Um es kurz und bündig zu sagen: IP-Infrastruktur ist nicht die Zukunft, sie ist bereits die Gegenwart.

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