Wie das ZDF die neue Komplexität der TV Distribution mit einer Codebasis steuert
Öffentlich-rechtliche Sender müssen heute viele Geräte erreichen. Für das ZDF führte das zu einer wachsenden Zahl an Smart TVs, mobilen Plattformen, Browsern und Set-top-Boxen, jeweils mit eigenen Standards und Zertifizierungen. Über die Jahre entstanden mehrere Codebasen, unterschiedliche App Verhaltensweisen und lange Releasezyklen. Die Kosten für die Pflege separater Codebasen stiegen schneller als Teams und Budgets.
Kundenherausforderung
ZDF betreute eine fragmentierte Systemlandschaft. Samsung Tizen, LG WebOS, Android TV, Fire TV, HbbTV und weitere Plattformen erforderten parallele Pflege. Features und Fixes mussten mehrfach entwickelt werden. Mit jeder zusätzlichen Plattform stieg der QA-Aufwand.
Das bremste Releases und machte eine einheitliche UX schwierig. Redaktion, Engineering und QA hatten hohe operative Lasten. Selbst kleine Änderungen brauchten getrennte Reviews und Zertifizierungen. Die wachsende Komplexität erschwerte den öffentlich-rechtlichen Auftrag, Inhalte stabil, barrierearm und zuverlässig auf allen relevanten Geräten bereitzustellen.
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Connected TV Plattformen, auf denen die ZDF App verfügbar ist, sortiert nach tatsächlicher Nutzung. ZDF betreibt seine App auf einer breiten Auswahl an CTV Plattformen von modernen Streaminggeräten bis zu älteren TV Umgebungen mit weiter hoher Reichweite.
HbbTV und Amazon Fire TV führen die Liste als zentrale Einstiegspunkte an. Danach folgen Android TV, Samsung Tizen und ältere HbbTV Versionen. LG WebOS und Sky liegen im Mittelfeld. Apple TV, Magenta TV Altsysteme und Panasonic SmartHome erreichen ebenfalls relevante Nutzung. Auch ältere Samsung Geräte und neuere Plattformen wie VIDAA erzeugen weiterhin konstanten Traffic.
Lösung
ZDF entschied sich für einen klaren Schnitt. Gemeinsam mit Qvest führte das Team alle Anwendungen in ein modular aufgebautes Frontend Framework über. Die Architektur ist mehrschichtig aufgebaut.
Core Logic Layer
Der Kern enthält alles, was das Produktverhalten bestimmt. Playback Logik, Routing, State Management, Analytics und Datenhandling laufen als gemeinsame TypeScript Basis. Dieser Kern ist plattformunabhängig und bildet die Grundlage für alle Apps.
Adapter Layer
Die Unterschiede zwischen Tizen, WebOS, Android TV, HbbTV, Fire TV und weiteren Plattformen liegen in kleinen Adaptern. Rendering, Eingabemodelle, DRM und System APIs sitzen in diesen Modulen. Neue Plattformen brauchen damit nur einen zusätzlichen Adapter statt einer neuen Anwendung.
UI Component Library
Ein gemeinsames Designsystem sorgt für eine einheitliche visuelle Sprache. Die Komponenten passen sich automatisch an Performance und Zertifizierungsvorgaben der jeweiligen Plattform an.
Unified Tooling und Rollout
ZDF nutzt heute eine CI/CD Pipeline für alle Builds. Automatisierte Tests prüfen den Kern und nur kleine Unterschiede pro Plattform. Monitoring und Fehlertracking laufen in einem Dashboard. Das reduziert Risiken und verkürzt den Weg zum Release.
Das Frontend Framework ist die Basis für folgende Applikationen des ZDF-Portfolios auf über 25 Connected TV Plattformen:
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Relaunch des ZDF-Streamingportals
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Launch der neuen TIVI
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Relaunch der ZDFheute
Alle Projekte nutzen den gleichen Kern und profitieren von schnellerer Entwicklung und konsistentem Verhalten.
Ergebnis
Das neue Setup verändert die Art, wie ZDF digitale Produkte entwickelt, betreibt und wartet. Releasezyklen sind heute deutlich kürzer. Updates, die früher mehrere Branches brauchten, entstehen aus einem Commit. Der Aufwand für QA und Wartung sinkt.
Die einheitliche Architektur reduziert auch Risiken durch Fragmentierung. Neue Geräte oder Standards erzeugen kein exponentielles Wachstum mehr. Jede zusätzliche Plattform lässt sich als klar definierte Adapteraufgabe integrieren.
ZDF bietet damit eine konsistente und stabile Nutzererfahrung auf allen wichtigen Connected TV Plattformen, von HbbTV und Fire TV bis Android TV und Apple TV. Das Framework steht auf der Shortlist der HbbTV Awards 2025 in der Kategorie “Best Tool or Product for HbbTV Service Development or Delivery”.
Tina Kutscher, SVP Digital Produkt und Automation
Fazit
Für ZDF ist das Frontend Framework mit der gemeinsamen Codebasis weit mehr als ein technischer Schritt. Sie bildet ein stabiles Modell für Reichweite und Betrieb in einer dynamischen Gerätewelt. ZDF kann sein Angebot ausbauen, ohne dass Kosten oder Komplexität steigen, und stärkt gleichzeitig Qualität, Zuverlässigkeit und Flexibilität im digitalen Auftrag.