Wie zukunftsfähig ist Ihre Leitstelle?
Zukunftsfähigkeit zeigt sich bei der nächsten Veränderung
Viele Leitstellen funktionieren im täglichen Betrieb zuverlässig. Ob eine Umgebung wirklich zukunftsfähig ist, zeigt sich aus meiner Sicht aber häufig erst dann, wenn sich etwas verändert.
Ein Kernsystem erreicht das Ende seines Lebenszyklus. Neue Sensoren oder Informationsquellen sollen integriert werden. Sicherheitsanforderungen steigen. KI-gestützte Auswertungen werden relevant oder Verantwortlichkeiten verändern sich. Solche Entwicklungen gehören zum normalen Lebenszyklus einer Leitstelle.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Veränderungen kommen, sondern wie gut sie sich umsetzen lassen, ohne den laufenden Betrieb unnötig zu belasten. Eine zukunftsfähige Leitstelle muss Veränderungen kontrolliert aufnehmen können.
Viele Abhängigkeiten fallen im Alltag kaum auf
Über Jahre entstehen Strukturen, die sich im täglichen Betrieb bewährt haben. Neue Anwendungen kommen hinzu, Prozesse werden angepasst und für einzelne Anforderungen entstehen Sonderlösungen. Gleichzeitig wächst Wissen über Schnittstellen und Zusammenhänge häufig bei den Menschen, die täglich mit den Systemen arbeiten.
Solange sich an der Umgebung wenig verändert, kann das sehr gut funktionieren. Schwierig wird es meistens bei der nächsten Anpassung. Dann zeigt sich beispielsweise, dass eine kleine technische Änderung mehrere andere Systeme betrifft, Dokumentation fehlt oder ein Prozess nur funktioniert, weil einzelne Mitarbeitende genau wissen, wie bestimmte Systeme zusammenspielen. Aus einer vermeintlich kleinen Änderung kann so schnell ein deutlich größeres Projekt werden.
Woran Sie erkennen, dass Veränderungen zunehmend schwieriger werden
Aus Projekten kennen wir einige typische Muster:
Systeme tauschen Daten aus, Mitarbeitende müssen Informationen aber weiterhin in mehreren Anwendungen suchen und zusammenführen.
Wichtige Zusammenhänge sind im Team bekannt, aber nicht ausreichend dokumentiert.
Die Zahl der Meldungen steigt, während die Unterstützung bei der Einordnung nahezu unverändert bleibt.
Ein System arbeitet zuverlässig, Änderungen daran sind aber nur noch mit hohem Aufwand oder zusätzlichen Sonderlösungen möglich.
Daten stehen zur Verfügung, müssen für Entscheidungen jedoch erst manuell eingeordnet oder mit anderen Informationen abgeglichen werden.
Zusätzliche Displays oder Informationsquellen erhöhen die verfügbare Datenmenge, verbessern aber nicht zwangsläufig das gemeinsame Verständnis der Situation.
Lösungen, die ursprünglich nur als Übergang gedacht waren, werden dauerhaft genutzt und schaffen zusätzliche Abhängigkeiten.
Cybersecurity, Resilienz und operative Abläufe werden unabhängig voneinander betrachtet, obwohl Veränderungen in einem Bereich direkte Auswirkungen auf andere haben können.
Neue Funktionen werden ergänzt, ohne sie ausreichend in die bestehende Architektur und die Arbeitsabläufe zu integrieren.
Mit jedem Projekt steigt der Anteil individueller Anpassungen und damit auch der Aufwand für die nächste Veränderung.
Ein einzelner dieser Punkte ist noch kein Beweis dafür, dass eine Leitstelle grundlegend modernisiert werden muss. Wenn mehrere dieser Muster gleichzeitig auftreten, ist das aber ein gutes Zeichen dafür, dass die Umgebung zunehmend schwerer zu verändern ist.
Zukunftsfähigkeit bedeutet nicht, ständig neue Technologie einzuführen
Aus meiner Sicht wird Zukunftsfähigkeit häufig zu stark mit neuen Technologien verbunden. Eine moderne Leitstelle ist aber nicht automatisch eine zukunftsfähige Leitstelle. Entscheidend ist vielmehr, ob sich neue Anforderungen kontrolliert integrieren lassen.
Kann ein neues System ergänzt werden, ohne zahlreiche andere Komponenten anpassen zu müssen? Sind Abhängigkeiten bekannt? Können Änderungen getestet und bei Bedarf zurückgenommen werden? Und bleibt der Betrieb währenddessen handlungsfähig? Genau an diesen Fragen zeigt sich die tatsächliche Modernisierungsfähigkeit einer Umgebung.
Fazit: Zukunftsfähigkeit bedeutet deshalb nicht, auf jede neue Technologie vorbereitet zu sein. Sie bedeutet, Veränderungen umsetzen zu können, ohne bei jedem Schritt die gesamte Leitstelle neu denken zu müssen.